Wahrhaftige Berührung

Es gibt viele verschiedene Arten zu berühren, vielleicht denken wir zu allererst an körperliche, intime und sexuelle Berührung. Berührung ist stark sexualisiert worden, wie so vieles. Aber das ist nicht die Art von Berührung von der ich hier schreibe.

Im Tanz ist die Berührung wichtig, zum einen die rein körperlich-physische Berührung, die unserem Körper Informationen gibt. Ist es meine eigenen Berührung, die Berührung meiner Haut auf meinen Muskeln, die Muskeln die meine Knochen berühren, die Berührung meines Körpers mit dem Boden, mit der Wand oder die Berührung durch einen anderen Körper.

Berührung wird aber nicht nur von unserem Körper wahrgenommen und verarbeitet, Berührung löst auch Emotionen in uns aus.

So gibt es die Berührung, die aus dem Herzen heraus entsteht. Wenn ich tanze und mich zeige, so wie ich bin und das was für mich ist, was aus der Tiefe ans Licht will, berühre ich mich selbst – mein Selbst; dadurch, dass ich mir den Raum und die Aufmerksamkeit gebe und vor allem die Freiheit mich zu zeigen, wie ich bin. Damit kann ich das Herz und die Seele eines Anderen berühren. Das macht für mich auch die Schönheit eines Tänzers aus. Ein Tänzer der seine Seele zeigt, der mich mit seinem Tanz berührt, mit dem was er von sich selbst transportiert, freisetzt und mich erfahren lässt.

Die Schönheit steht für mich stark in Verbindung mit der Berührung. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich etwas so schön finde, dass ich Teil sein will davon. So versuche ich die Schönheit zu fassen, zu greifen, etwas in mir will die Schönheit besitzen. Doch kann ich die Schönheit niemals besitzen und mit dem Versuch sie an mich zu reißen, geht sie eigentlich verloren.

Die Blume und ihre Schönheit, die wir einfach ausreißen, die dann in unserer Vase verwelkt  nach einigen Tagen.

Aber wenn ich mich von der Schönheit berühren lasse, nicht indem ich sie an mich reiße, sondern dadurch, dass ich mein Herz öffne und die Emotionen, die die Schönheit in mir auslöst in mich aufnehme, sie spüre, fühle, rieche, höre, sehe, so trage ich sie in mir und trage sie weiter. Bin ich wahrhaftig bereichert von der Schönheit und ihrer Berührung.

Es macht mich nachdenklich, zu sehen wie wir Menschen uns einander berühren. Ich beobachte so viel Aggressivität in unserer Berührung, Macht und Kontrolle, Manipulation. Wir kommunizieren miteinander, berühren einander mit der Intention etwas zu wollen, etwas zu erwarten, dass sich jemand nach unseren Vorstellungen verhält. Werden frustriert und ungehalten, wenn jemand nicht das tut was wir von ihm verlangen oder einer aus der Reihe tanzt und es anders macht als wir. Oder wir entziehen uns jeglicher Berührung, weil wir Angst haben vor den Gefühlen, die sie in uns auslösen könnte.

Was würde aber passieren, wenn ich mir, wir uns die Fragen stellen:

Was berührt mich eigentlich? Wie reagiere ich auf Berührung?

Was macht mein Körper mit der Information von Berührung, wie verarbeitet er sie, wie übersetzt er sie, wie drückt er dies Verarbeitete aus?

Was macht Berührung mit mir mental und emotional? Lasse ich die Gefühle der Berührung zu?

Wie berühre ich jemanden? – Mit Offenheit, mit Liebe oder vollgepackt mit Erwartungen, dass er sich dort oder da hin bewegt, dies oder das tut, auf jeden Fall sich so verhält wie ich mir das vorstelle.

Wie wäre es, wenn ich mich auf mich beziehe während ich einen Menschen berühre? – Bei der Berührung bei mir bleibe und mich frage, wie empfinde ich diese Berührung, dieses Wort oder die körperliche Berührung die ich an einen anderen richte?

Wo lasse ich meine Berührung ihren Ursprung haben? – An der Peripherie oder aber aus der Tiefe?

Wie wäre es, wenn ich mein Selbst, meine Wahrheit, mein Herz, Mitgefühl, Vertrauen, Verständnis, Ehrlichkeit und Authentizität in jede Berührung geben, die sowohl an mich selbst als auch an andere gerichtet ist?

Ja dazu ist es unumgänglich, dass ich mich selbst erkenne und weiß wer ich bin. Und das ist nicht immer leicht, unter all den Stimmen die Eigene zu hören.

Mentalen, emotionalen und physischen Körper in Einklang zu bringen mit unserer Wahrheit, um unserem Herz und unserer Seele Ausdruck zu geben, unsere Schönheit zu zeigen, uns berühren zu lassen und andere zu berühren.

Deshalb liebe ich den Tanz so sehr. Weil ich mich selbst berühren kann in ihm und durch ihn, mich von anderen berühren lasse, sowie andere berühren kann; mich von der Welt und dem Raum um mich berühren lasse und so über mich selbst lerne, mich selbst erkenne, mich selbst liebe.

All das kann ich erforschen in und durch den Tanz dadurch, dass ich meinen Körper, meinen Geist und meine Seele öffne für wahrhaftige Berührung und ehrlich zeige, was diese Berührung mit mir macht, was sie mich lehrt, mich verstehen lässt, mir schenkt, mir eröffnet.

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